Chronik

Eine fast 100-jährige Vereinsgeschichte lässt sich nur sehr mühsam zusammentragen. Deshalb wird diese Chronik nach und nach erweitert und kann zur Zeit keinen Anspruch auf Vollständigkeit erheben. Wir sind bemüht, diesen Zustand so schnell wie möglich zu beheben und bitten um Ihr Verständnis.

An erster Stelle sei des Mannes gedacht, der vom Beginn an über 12 Jahre die Geschicke des Vereins geleitet und verwaltet hat: Herrn Wilhelm Peters, der in der Geburtsstunde des Klubs, am 1. Juni 1909 den Vorsitz übernahm und ihn fast anderthalb Jahrzehnte inne hatte. Der Gründungsname des heutigen VfB hieß Rhenania. Mit rhenanischer, d.h. rheinischer Kraft, erspielte sich die erste Mannschaft der Rhenania die Qualifikation zur Aufnahme in den Westdeutschen Spielverband gegen die 2. Mannschaft von Schalke 96. Der erste Sportplatz der Rhenania war das Terrain der Radrennbahn. Den meisten Fußballern aus Gelsenkirchen ist diese erste sportliche Wirkungsstätte unbekannt, genauso wie der zweite Sportplatz an der Stern- und Wannerstraße, zu dem ein Jahr später gewechselt werden musste. Die Gaststätte Middeldorf wurde zum ersten Vereinslokal.

Im selben Jahr 1911 vereinigte sich die Rhenania mit dem Sportverein Fortuna Gelsenkirchen unter dem Namen Spielverein Gelsenkirchen 09. Diese Fusion bewährte sich, die Mitgliederzahl wuchs beachtlich, die aktive Spielfreudigkeit nahm stark zu, so dass ein größeres Sportplatzgelände erworben werden musste. Auf dem Boden der ehemaligen Ziegelei Rotthauwe an der Kurfürstenstraße wurde ein neuer Sportplatz hergerichtet. Durch unseren Fußballbetrieb angespornt, bildeten 1913 andere Sportbegeisterte einen weiteren Verein im gleichen Stadteil unter dem Namen Sportverein 1913 Gelsenkirchen. Diese beiden Klubs, unser Spielverein 09 und der Sportverein 1913 standen Pate, als sich 1923 am 1. Juni beide Vereine zum Verein für Bewegungsspiele 09/13 Gelsenkirchen zusammenschlossen. Vorsitzender dieser Vereinigung war nach wie vor Wilhelm Peters.

Während des ersten Weltkrieges ruhte der Spielbetrieb, der Verein aber lebte weiter. Nachdem 1919 der offizielle, aktive Fußballsport wieder aufgenommen worden ist, spielte unser Verein zunächst in der B-Klasse, erkämpfte 1924 den Aufstieg zur A-Klasse. 3 Jahre hintereinander wurde der VfB Meister, ohne allerdings aufzusteigen, da in dieser Zeit jedes mal eine Neueinteilung der Klassenordnung vorgenommen wurde. Die Kameraden Johann Beine, Bertelmann, Paul Buttler, Fritz Krüger, Julius Olbrisch, Heinrich Pleß und Schaarmann erwarben sich damals unvergesslichen Ruhm und Dank.

Der Sportplatz am der Kurfürstenstraße wurde 1926 von der Stadt übernommen, der VfB sollte ihn als sportlicher Treuhänder verwalten. Somit durfte auch weiterhin auf dem gleichen Gelände in der Feldmark gespielt werden. Das Vereinslokal wurde zwischen 1924 und 1926 wiederholt gewechselt. Vom Gasthof zum Eiskeller bezog der Verein seine Versammlungsstätte wieder im alten Klublokal Janzen.

Die Vereinsleitung wurde im Wandel der Zeit von der Generation abgelöst, die selber im Verein „groß“ geworden war. Der ewig junge Willi Sokolowski war von 1929 bis 1931 Vorsitzender. Sein Nachfolger war Waldemar Huss, der den VfB von 1932 bis 1937 führte. Einige weitere tüchtige Mitarbeiter müssen an dieser Stelle genant werden, die in den politisch bewegten Jahren sich zur Verfügung gestellt haben: Brecklinghaus, Eugen Fink, Jonat, Metzdorf und Jakob Wilde. Von 1937 bis zum Ausbruch des zweiten Weltkrieges 1939 war Dr. Harald Heimberg Vereinsführer. Klubheim war in dieser Zeit der Gasthof Brecklinghaus.

Am 29. Juli taten sich alte Feldmärker Fußballfans zusammen, um im Lokal Kohlrusch in der Bertastraße den Verein von neuem aufleben zu lassen. Schnell wurde der Spielbetrieb reorganisiert. Dank der freizügigen Überlassung des Werksgeländes in der Fürstinnenstraße durch die Firma Küppersbusch waren wir vorerst der Sorge um einen Sportplatz enthoben, wir durften und konnten wieder spielen. Der Firma Küppersbusch sind wir für ihre Förderung und auch für die anderweitigen Unterstützungen zu herzlichsten Dank verpflichtet. Das erste Spiel gegen den späteren Oberligaverein Sportfreunde Katernberg am 19.08.1945 wurde 6:1 gewonnen.

Organisatoren der wiedererstandenen VfB-Schar waren Franz Nelles, Hermann Rotterdam und Viktor Geritzmann. Erster Geschäftsführer nach dem Krieg war Herbert Schulz, der am 26.08.1945 die Jahreshauptversammlung zusammengerufen hat, in der Sportfreund Karl Höpker zum Vereinsleiter gewählt wurde. Es waren der VfB und Gelsenkirchen 07, die wiederum beachtliche Pionierarbeit für den heimischen Fußballsport geleistet haben und im Lokal Brand im 4. Quartal 1945 alle Gelsenkirchener Fußballvereine zusammengebeten hatten, um diese Interessengemeinschaft zu formieren. Diese Gemeinschaft sollte der Vorläufer des Stadtverbandes sein, dem die Aufgabe zugedacht war, Runden- oder Pokalspiele zu veranstalten, um wieder ein System, d.h. eine Stärke- oder Gruppeneinteilung zu schaffen.

Unterdes wurde aus praktischen Erwägungen das Vereinslokal von Kohlrusch in der Bertastraße nach Schmidtmann in der Fürstinenstraße gewechselt. Hier fand am 04.05.1946 die erste außerordentliche Mitgliederversammlung statt, in der die Geschäftsführung von Hans Trilling dem nur kurzfristig tätigen Sportkameraden Hans Rieber übertragen wurde.

Unser Verein wurde der Bezirkliga zugeteilt, spielte in ihr mit sehr wechselvollem Glück, wurde 1947 Herbstmeister, um dann aber durch mancherlei Umstände schmerzlich zurückzufallen. Große finanzielle Sorgen hatte Kassierer Krüger zu überwinden. Wieder sprangen alte und auch neie fußballfanatische VfB’ler in die Bresche und retteten den Verein. In Dankbarkeit sei hier der Männer gedacht, die sich mehrere Jahre tatkräftig eingesetzt haben: Paul Bednarz als Fußballobmann, Willi Krüger als Jugendleiter und Geschäftführer, Heinrich Prinz als Kassierer und Karl Prinz im Spielausschuss, der Seniorchef Fritz Rotthauwe und sein Sohn Ernst Rotthauwe als Vorstandmitglieder, Theodor Schoop als Geschäftsführer, Willi Sokolowski und Hugo Walter.

Der Firma Rotthauwe sei für die immerwährende Hilfe, insbesondere für die Großzügigkeit bei der Betreuung an dieser Stelle gedankt, ohne Rotthauwe hätte der Verein in dieser Zeit oft kaum überleben können.

Nach fast 3-jährigem Vorsitz stellte Karl Höpker seinen Posten aus gesundheitlichen Gründen zur Verfügung. Der Verein dankte ihm für seinen unermüdlichen Einsatz durch die Ernennung zum Ehrenvorsitzenden. Am 20.06.1948 wurde in einer außerordentlichen Mitgliederversammlung Dr. med. Kurt Wenig zum Nachfolger und damit zum Vorsitzenden gewählt. Er führte dieses Amt 15 Jahre bis 1963 zu aller Zufriedenheit und zum Wohle des Vereins aus. Da die Firma Küppersbusch den Sportplatz dringendst für werkeigene Zwecke benötigte, stand der Verein plötzlich ohne Fußballplatz da. Dr. Wenig setzte sich mit aller Kraft für ein neues Sportgelände in der Feldmark ein. Rettender Engel waren auch jetzt wieder unsere Stadt und der damalige Oberbürgermeister Robert Geritzmann, dem wir für Förderung des Stadionbaues an der Fürstinnenstraße und für manche weitere Unterstützung zu Dank verpflichtet bleiben. Am 25. Mai 1952 wurde dem Verein durch Oberbürgermeister Geritzmann die Platzanlage übergeben. Eine Alt-Herren-Manschaft wurde 1952 gegründet. Für diesen Zeitabschnitt bedanken wir uns bei den Sportskameraden Wenig, Preuß, Rinsland, Weißmüller, Tonk, Kolaczek, Jugendleiter Meinecke, Betreuer Paul Ruttkowski und Kassierer Hemig.

Von 1963 bis 1970 leitete Willi Preuß den Verein. 1967 schaffte die 1. Mannschaft den Aufstieg in die Bezirksklasse und wurde 1970 Stadtmeister. Wolfgang Hundhausen übernahm von 1970 bis 1974 den Vorsitz. Leider folgte der Abstieg in die Kreisklasse.

Stellvertretend für alle Aktiven seien hier nur Willi Preuß, Wolfgang Hundhausen, Dieter Kremer und Ferdinand Göhr genannt. Dem Letzteren verdanken wir das neue Vereinsheim an der Fürstinnenstraße, dessen Einweihung er leider nicht mehr miterleben durfte. Ferdinand Göhr verstarb 1983, ein Jahr vor der Eröffnung des Vereinsheims. Nach ihm übernahm Werner Kuzmierz den Vereinsvorsitz, bis er 1989 von Günter Neumann, der zuvor 15 Jahre Jugendleiter war, abgelöst wurde. Heute ist Günter Neumann Ehrenratsvorsitzendes des Vereins.

Und wie es sich für einen traditionsreichen Verein gehört, gibt es natürlich auch ein Vereinslied:

Wach auf, wach auf, der Morgen graut,
die Sonne lugt ins Tal!
Das Gras und Moos vom duft’gen Tau
erglänzt im Morgenstrahl,
erglänzt im Morgenstrahl.
Wach auf, wach auf, das Hirthorn schallt,
es ruft den Jäger in den Wald.
Wach auf, wach auf, weiß-schwarze Elf wach auf.

Und wenn die Feldmarker Wettspiel haben,
was ist das für’ne Freud.
Und ist der Kampf erst heiß entbrannt,
wie staunen da die Leut‘,
wie staunen da die Leut‘.
Bevor wir hab’n die Punkte nicht
verlassen wir den Sportplatz nicht.
Wach auf, wach auf, weiß-schwarze Elf wach auf.

Die VFB-Vereinigung,
die liegt am Schwarzbachstrand.
Die weiß und schwarzen Jungen
sind in der Feldmark wohl bekannt,
sind in der Feldmark wohl bekannt.
Weiß-schwarz, wir schwören Dir auf’s neu,
Weiß-schwarz, wir halten Dir die Treu,
Weiß-schwarz, weiß-schwarz, wir kämpfen für weiß-schwarz.